Untersagen des Aussagens

Ein Meister sagt: Eins ist ein untersagendes Aussagen. Sage ich: Gott ist gut, da wird etwas beigelegt. Eins ist ein untersagendes Aussagen und ein wehrendes Begehren. Was meint Eins? Etwas, dem nichts beigelegt wird. Die Seele nimmt die Gottheit, wie sie in ihr geläutert ist, wo nichts beigelegt wird, wo nichts gedacht wird. Eins ist Untersagen des  Aussagens. Alle Kreaturen haben irgend ein Untersagen in sich; die eine sagt aus, dass es die andre nicht sei; ein Engel sagt aus, dass er nicht eine andere Kreatur sei. Aber Gott hat ein Untersagen alles Aussagens, er ist Eins und untersagt alles andere; denn nichts ist ausser Gott. Alle Kreaturen sind in Gott und sind die Gottheit seiner selbst und wollen ihn ausfüllen. Er ist ein Vater aller Gottheit. Darum eine Gottheit, weil nichts ausfliesst, und nirgends etwas daran rührt, und kein Wort gedacht wird. Damit, dass ich von Gott etwas aussage (sage ich von Gott Güte aus, so kann ich Gott nicht aussagen), damit dass ich von Gott etwas aussage, verstehe ich etwas unter ihm, was er nicht ist; eben das muss hinab. Gott ist Eins, er ist ein Untersagen des Aussagens.

Meister Eckhart

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Mystik als „mysterion“

Hier geht es nicht um Mystifikation, sondern um Mystik. Wenn man von einem anderen Mystikbegriff ausgeht als von dem der Bewusstseins- und Erlebnismystik, muss die Frage (nach der Mystik bei Meister Eckhart) neu gestellt werden. Die theologische Interpretation Eckharts geht davon aus, dass Mystik hier nicht auf „myein“ (die Augen schließen und sich versenken) oder auf „mystes“ (Einweihung in eine esoterische Gemeinde), sondern auf „mysterion“ (Geheimnis der Wirklichkeit) zu beziehen ist. Demnach wäre Eckharts Philosophie, Theologie und geistliche Lebenslehre insofern „mystisch“ zu nenne, als sie am geoffenbarten Geheimnis von Verborgenheit und Mitteilsamkeit Gottes orientiert ist, als nicht der gesamte Objektbereich der Theologie das Ziel ist, sondern ihre Tiefendimension von Glauben und Verstehen.

Dietmar Mieth in: Einheit mit Gott, Düsseldorf 2002, S. 66-67

Das Mittel: Schweigen

Es ist in dem Lautersten, das die Seele aufweisen kann, in dem Edelsten, in dem Grunde, ja, in dem Wesen der Seele!

Das ist das Mittel:  Schweigen;

denn da hinein kam nie eine Kreatur oder ein Bild, und die Seele hat da nicht Wirken noch Verstehen, und weiß kein Bild davon, weder von sich selbst noch von irgend welcher Kreatur.

Meister Eckhart

Über alles hinaus

Gott ist namenlos. Von ihm kann niemand etwas sprechen noch verstehen. Wir können von Gott nur sprechen nach unserer Verständnisweise, und es ist ein Unterschied zwischen Gottes Sein und unserem Verstehen.
Von Gott kann man nicht einmal eigentlich sagen, dass er ist. Das kommt vom Überschwang seines lauteren Wesens. Und sage ich: Gott ist gut, so ist das nichts eigentlich; ich bin gut, Gott ist es nicht. Sage ich: Gut, besser, bestes – er ist über alles hinaus.

Meister Eckhart

Vom Nichtse

Der weise Mystiker Eckhart

will uns vom Nichtse sagen.

Doch wer ihn nicht versteht,

der mag es Gotte klagen…

Zeitgenössischer Spruch