Tun und Sein

Die Menschen sollten nicht soviel über ihr Tun nachdenken, sondern vielmehr darüber, was sie sind… Bist du gerecht, dann sind auch deine Werke gerecht. Gedenke nicht, deine Heiligkeit zu gründen auf ein Tun. Man muss Heiligkeit auf ein Sein gründen. Denn nicht die Werke heiligen uns, sondern wir müssen die Werke heiligen.

Meister Eckhart

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Nichtheit

Gott ist gut, Gott ist weise, Gott ist unendlich, Gott ist gerecht – das alles ist so unsinnig, als wenn ich das Schwarze weiß nennen würde. Du bist es, was du über deinen Gott denkst, und lästerst ihn, wenn du ihn damit behängst. Nimm ihn ohne Eigenschaft als überseiendes Sein und eine überseiende Nichtheit.

Meister Eckhart

Eckhart und die Begine Marguerite Porete

Die Höhe der Spiritualität, die Lauterkeit des Charakters sowie das Schicksal der Häresieanklage und -verurteilung verbinden die Porete mit Meister Eckhart, wenngleich diesem, der eine Rechtfertigungsschrift verfasste, das Todesurteil erspart blieb. Kurt Ruhs These, dass Eckhart von Margaretes Leben und Werk bei einem seiner Pariser Aufenthalte erfahren habe – er war der Nachbar des Generalinquisitors Wilhelm von Paris -, besitzt große Wahrscheinlichkeit. Danach hätte  Eckhart den kühnen Aussagen der Beginenmystik eine theologische Absicherung zu geben versucht. Meister Eckhart wird bei der Verteidigung seiner Behauptung, dass Gott und die mit ihm vereinigte Seele im Wesen eins sind, die Unterscheidung von Natur und Gnade deutlicher hervorheben: Gott ist Sein von Natur, während die Seele am Sein Gottes aus Gnade teilhat. Der Verdacht des Pantheismus wird ihn dennoch treffen wie Margarete Porete.

In: Der Berg der Liebe. Europäische Frauenmystik. Herausgegeben und eingeleitet von Helga Unger. Freiburg/Basel/Wien 1991, S. 140

Über alles hinaus

Gott ist namenlos. Von ihm kann niemand etwas sprechen noch verstehen. Wir können von Gott nur sprechen nach unserer Verständnisweise, und es ist ein Unterschied zwischen Gottes Sein und unserem Verstehen.
Von Gott kann man nicht einmal eigentlich sagen, dass er ist. Das kommt vom Überschwang seines lauteren Wesens. Und sage ich: Gott ist gut, so ist das nichts eigentlich; ich bin gut, Gott ist es nicht. Sage ich: Gut, besser, bestes – er ist über alles hinaus.

Meister Eckhart

Nirgends sonst

Der Menschen gibt es wenige, die das recht beachten und darin beständig sind. Es ist ein gleichwertiger Austausch und ein gerechter Handel:  So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit, nicht weniger und nicht mehr, geht Gott ein mit all dem Seinen, dafern du in allen Dingen dich des Deinen völlig entäußerst. Damit heb an, und lass dich dies alles kosten, was du aufzubringen vermagst. Da findest du wahren Frieden und nirgends sonst.

Meister Eckhart

„Hochmetaphysisch“

Eckhart ist sehr häufig hochmetaphysisch, und man fragt sich verwundert, wie seine Zuhörerschaft seine Predigten aufnahm – eine Zuhörerschaft, von der man annimmt, dass sie recht ungelehrt war, des Lateinischen ebenso unkundig wie all der lateinisch geschriebenen Theologien. Das hier vorliegende Problem des Seins und Gottes, der die Welt aus dem Nichts schafft, muss sie doch heftig in Verlegenheit gebracht haben. Selbst die Gelehrten mögen festgestellt haben, dass Eckhart über ihr Begreifen hinausging, zumal wir wissen, dass sie mit Erfahrungen, wie Eckhart sie hatte, nicht gerade gesegnet waren. Denken allein oder logisches Folgern wird Probleme von tiefer religiöser Bedeutung niemals erfolgreich lösen können.

Eckharts Erfahrungen wurzeln tief in der grundlegenden, überwältigenden Erfahrung Gottes als Sein, das Sein und Nicht-Sein zugleich ist: er sieht im „geringsten“ Ding unter Gottes Geschöpfen alle Herrlichkeit seiner Ist-heit.

D.T. Suzuki in „Der westliche und östliche Weg“