Benedikt XVI. trifft Meister Eckhart ..

Nun steht es fest. Papst Benedikt XVI. wird in Erfurt Meister Eckhart treffen, wenn er 2011 Deutschland besucht. In Gedanken, versteht sich. Und er wird eine erstaunliche Erfahrung machen dürfen. Wenn er an ein Wort von Meister Eckhart denkt:

„Ich weise darauf hin, meine Reden und Werke sind allein guten und vollkommenen Menschen gewidmet. Die sollen erfahren, dass das Allerbeste und Alleredelste, wozu man in diesem Leben kommen kann, das ist, dass du schweigest und Gott allda wirken und sprechen lässest. Wo alle Kräfte von allen ihren Werken und Bildern abgezogen sind, da wird dies Wort gesprochen.“

Und dann wird der Papst jenes Dokument aus der Mappe holen lassen, auf das viele Menschen seit Jahrhunderten warten. Rehabilitierung und Heiligsprechung von Meister Eckhart. Nein. Doch nicht. Nicht dieser Papst, nicht diesen Meister Eckhart. Es dürfte besser sein. Sonst wäre Meister Eckhart ein zweites Mal getroffen.

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Seinsnähe

Der Zustand der Seinsnähe (…) veranlaßte mich, in allem, was mir begegnete, etwas Bestimmtes zu suchen. So war es nicht verwunderlich, daß es Meister Eckehart war, der mich im Innersten traf. Ich konnte mich nicht mehr von seinen Predigten und Traktaten losreißen, die ich aufnahm wie einen vielfältigen Widerhall der göttlichen Musik, die ich vernommen hatte. Ich erkannte in Eckehart meinen Meister, den Meister. … Ich bin im wissenschaftlichen Sinn kein Fachmann für Eckehart und auch kein Theologe. Man kann sich „meinem“ Meister nur nähern, wenn man das Denken in Begriffen ausschaltet. Welch ein Hauch geht von allem aus, was er sagt! Diese unglaubliche Einfachheit, mit der er von Gott spricht, die Beispiele, die er gibt, die Probleme, die er aufwirft … Es liegt eine eigenartige Atmosphäre des Essentiellen, des Wirklichen im Schweigen des überweltlichen in seinen Gedanken, hörbar nur für jene, die Ohren haben, zu hören… Sie wissen, dass Eckehart verfolgt wurde, dass er als Häretiker verdammt wurde, und er wird auch heute nicht voll verstanden und anerkannt.

Karlfried Graf Dürckheim  (1896 – 1988) in: Der Weg, die Wahrheit, das Leben.  Erfahrungen auf dem Weg zur Selbsterfahrung. Gespräche über das Sein mit Alphonse Goettmann. München 1981

Alle Werke, die die Seele wirkt

Alle Werke, die die Seele wirkt, wirkt sie mit den Kräften. Alles, was sie versteht, versteht sie mit der Vernunft. Wenn sie denkt, tut sie es mit dem Gedächtnis. Wenn sie begehrt, tut sie es mit dem Willen, und dergestalt wirkt sie mit den Kräften und nicht mit dem Wesen. All ihr Wirken nach aussen haftet immer an einem Mittel. Die Kraft des Sehens bewirkt sie nur durch die Augen, anders kann sie kein Sehen bewirken oder zu stande bringen. Und ebenso ist es mit allen andern Sinnen. All ihr Wirken nach aussen bewirkt sie durch ein Mittel. Aber in dem Wesen ist kein Werk, daher hat die Seele im Wesen kein Werk als die Kräfte, mit denen sie wirkt, die fliessen aus dem Grunde des Wesens, oder vielmehr: in diesem Grunde ist das Mittel Schweigen, hier ist allein Ruhe und eine Wohnung für diese Geburt und für dieses Werk, dass Gott der Vater allda sein Wort spreche, denn dieses ist von Natur nur dem göttlichen Wesen ohne irgend ein Mittel zugänglich. Gott geht hier in die Seele mit seinem Ganzen, nicht mit seinem Teil. Gott geht hier in den Grund der Seele hinein. Niemand rührt an den Grund der Seele als Gott allein. Die Kreatur kann nicht in den Grund der Seele, sie muss in den Kräften aussen bleiben. Da mag sie ihr Bild betrachten, mit Hilfe dessen sie eingezogen ist und Herberge empfangen hat. Denn jedesmal, wenn die Kräfte der Seele mit der Kreatur in Berührung kommen, nehmen und schöpfen sie Bilder und Gleichnisse von der Kreatur und ziehen sie in sich. Auf diese Weise entsteht ihre Kenntnis von der Kreatur. Die Kreatur kann nicht näher in die Seele kommen, und die Seele nähert sich jeder Kreatur nur dadurch, dass sie zunächst willig in sich ein Bild empfängt. Und von dem gegenwärtigen Bild aus nähert sie sich den Kreaturen, denn das Bild ist ein Ding, das die Seele mit den Kräften schöpft. Mag es ein Stein, ein Pferd, ein Mensch oder was immer sonst sein, das sie kennen lernen will, immer nimmt sie das Bild hervor, das sie von ihnen abgezogen hat, und auf diese Weise kann sie sich mit ihnen vereinigen. Aber immer wenn ein Mensch auf diese Weise ein Bild empfängt, muss es notwendigerweise von aussen durch die Sinne hereinkommen. Darum ist der Seele kein Ding so unbekannt, wie sie sich selbst.

Meister Eckhart

Das Mittel: Schweigen

Es ist in dem Lautersten, das die Seele aufweisen kann, in dem Edelsten, in dem Grunde, ja, in dem Wesen der Seele!

Das ist das Mittel:  Schweigen;

denn da hinein kam nie eine Kreatur oder ein Bild, und die Seele hat da nicht Wirken noch Verstehen, und weiß kein Bild davon, weder von sich selbst noch von irgend welcher Kreatur.

Meister Eckhart

Schweigen

Das Allerbeste und Alleredelste,
wozu man in diesem Leben kommen kann,
das ist,
dass du schweigest
und Gott allda
wirken und sprechen lässest.

Meister Eckhart

Predigt Eins – optisch