Mystik, Recht und Freiheit…

Zu einem Kongress über Meister Eckhart und die Begine Margarete Porete unter dem Titel  „Mystik, Recht und Freiheit“ wird für den September in den Erbacher Hof in Mainz eingeladen. In der Einladung heißt es unter anderem:

„Das 13.-15. Jahrhundert ist neben dem aufkommenden Fiskalismus von einer zunehmenden kirchlichen und weltlichen Verrechtlichung geprägt. Diesem Trend korrespondiert eine Heilsvergewisserung durch persönliche Erfahrung. Diese Bewegung findet vor allem im Rahmen einer Urbanisierung und Pluralisierung von Lebensformen statt. In dieser Bewegung stellen religiöse Einzelgestalten, die literarisch fassbar sind, die Grenzen des bisher Vertrauten mit ihrer religiösen Sprache und mit ihrer Lebenspraxis in Frage. Auffallend ist hier vor allem die Beginenbewegung, die trotz ihres gemeinsamen Anliegens eines geistlichen Lebens in einer geordneten, selbstreferentiellen Gemeinschaft nicht unter einer übergreifenden Regel gefaßt waren und in deren Umkreis sich freigeistige Strömungen zu entwickeln schienen. Einen Höhepunkt des Konfliktes zwischen literarisch offensivem Beginentum und kirchlichem Ordnungswillen stellt der Prozess gegen Marguerite Porete in Paris 1308-1310 dar, der zu ihrer Verbrennung als hartnäckige Ketzerin führte (1.Juni 1310). Meister Eckhart (1260-1328), der Zeitgenosse Marguerites, und ihm nahe Frauen- und Laienbewegungen stehen prominent für eine Freiheit und Offenheit religiösen Denkens. Diese Freiheit des Denkens und der Erfahrung vermögen heute eine immer noch zunehmende Faszination auf religiös Suchende auszuüben. Aber er und die Beginen wie Margerite Porete stehen in der Rolle der Angeklagten auch im Kontext einer Vielzahl aufsehenerregender Ketzerprozesse des Spätmittelalters. Eckharts Rolle als Mitglied des Dominikanerordens, der selbst in der Inquisition Geschichte schrieb, ist zu prüfen.“

Mehr hier:

http://www.uni-erfurt.de/max-weber-kolleg/kfg/aktuelles/konferenz-mystik-recht-und-freiheit/

Marguerite Porete: Befreite Seele

„Die befreite Seele trachtet nicht nach Gott, weder durch Busse noch durch irgend ein Sakrament der Heiligen Kirchen, noch durch Gedanken, Worte und Werke, noch durch ein Geschöpf von hier unten noch durch ein Geschöpf von oben.“

So die Begine Marguerite Porete, die am 1. Juni 1310 als „rückfällige Ketzerin“ in Paris verbrannt wurde, in ihrem „Spiegel der einfachen Seelen“.  Ein ausführlicher und äußerst lesenswerter Beitrag von Irmgard Kampmann findet sich hier:

http://www.bzw-weiterdenken.de/index.php?m=artikel&rub=11&tid=268

Eine Neuausgabe des „Spiegel der einfachen Seelen“ gibt es bei Topos-Taschenbücher:

http://www.religioesebuecher.de/clients/topos/shop/productdetailtopos.asp?productid=1554

Eckhart und die Begine Marguerite Porete

Die Höhe der Spiritualität, die Lauterkeit des Charakters sowie das Schicksal der Häresieanklage und -verurteilung verbinden die Porete mit Meister Eckhart, wenngleich diesem, der eine Rechtfertigungsschrift verfasste, das Todesurteil erspart blieb. Kurt Ruhs These, dass Eckhart von Margaretes Leben und Werk bei einem seiner Pariser Aufenthalte erfahren habe – er war der Nachbar des Generalinquisitors Wilhelm von Paris -, besitzt große Wahrscheinlichkeit. Danach hätte  Eckhart den kühnen Aussagen der Beginenmystik eine theologische Absicherung zu geben versucht. Meister Eckhart wird bei der Verteidigung seiner Behauptung, dass Gott und die mit ihm vereinigte Seele im Wesen eins sind, die Unterscheidung von Natur und Gnade deutlicher hervorheben: Gott ist Sein von Natur, während die Seele am Sein Gottes aus Gnade teilhat. Der Verdacht des Pantheismus wird ihn dennoch treffen wie Margarete Porete.

In: Der Berg der Liebe. Europäische Frauenmystik. Herausgegeben und eingeleitet von Helga Unger. Freiburg/Basel/Wien 1991, S. 140