„Der Fromme von morgen…“

In mystischen Erfahrungen des Alltags, so ist Rahners abstrakte Beschreibung zu verstehen, wird die Transzendenz intensiver erfahren, weil die gegenständliche (kategoriale) Wirklichkeit von sich aus stärker und eindringlicher als für gewöhnlich auf die Transzendenz verweist. Im Unterschied zur eigentlichen Mystik fällt in der Mystik des Alltags das Gegenständliche bzw. die gegenständliche Vermittlung in der Transzendenzerfahrung nicht teilweise oder ganz aus, sondern macht als solches deutlicher und dringlicher auf die Transzendenz aufmerksam.
Wo der Mensch solche besonderen Erfahrungen in seinem Leben macht, da ist nach Rahner „die Mystik des Alltags, das Gottfinden in allen Dingen; da ist die nüchterne Trunkenheit des Geistes“. In den Zusammenhang der Mystik des Alltags wäre schließlich auch der berühmt gewordene Satz Rahners aus dem Jahre 1966 einzuordnen: „Der Fromme von morgen wird ein ,Mystiker‘ sein, einer, der etwas ,erfahren‘ hat, oder er wird nicht mehr sein […]“

Johannes Herzgsell in „Geist und Leben“ über „Karl Rahners Theologie der Mystik“

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